{"id":478,"date":"2011-07-24T16:39:28","date_gmt":"2011-07-24T16:39:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hanghofer.com\/?page_id=478"},"modified":"2016-03-10T08:33:21","modified_gmt":"2016-03-10T07:33:21","slug":"hubert-hanghofer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hanghofer.com\/?page_id=478","title":{"rendered":"<!--:de--> ANN\u00c4HERUNG AN EINE GESTALTUNGSFORM<!--:-->"},"content":{"rendered":"<p><!--:de--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">ANN\u00c4HERUNG AN EINE GESTALTUNGSFORM<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>\u201eAlle Gestalten sind \u00e4hnlich, und keine gleichet der andern; \/<\/em> <em>Und so deutet das Chor auf ein geheimes Gesetz, \/<\/em> <em>Auf ein heiliges R\u00e4tsel.\u201c<\/em> (Goethe, Die Metamorphose der Pflanzen)<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Biografische Daten<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geb. 1951 in Freistadt, lebt in Wartberg ob der Aist. Studium an der Kunstuniversit\u00e4t bei Prof. Helmuth Gs\u00f6llpointner. L\u00f6st sich bereits in den 1990er Jahren von seinem Brotberuf, um ein privates, nach individuellen Kriterien zusammengestelltes Musikarchiv anzulegen. Ein Kompendium der sch\u00f6nen Kl\u00e4nge, das die Phantasie befl\u00fcgelt und eine besondere Gestimmtheit bewirken kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hubert Hanghofer arbeitet mit Bronze, Edelstahl, Spezialkunstharzen und Karbonfaser. Manche Ob-jekte sind aus Stoffen, die Ewigkeiten \u00fcberdauern k\u00f6nnen (Bronze, Edelstahl). Manche Objekte wirken, als w\u00e4ren sie von hoch oben ganz sanft auf der Erde gelandet; noch ganz durchdrungen von den sie formenden Luftmassen und den gestalten-den Kr\u00e4ften von Schub und Druck. Hanghofers Plastiken liegen Konzeptzeichnungen zugrunde. Die Ideen zu seinen plastischen Arbeiten sch\u00f6pft der K\u00fcnstler aus seinem Inneren. Musik spielt f\u00fcr ihn als Inspirationsquelle eine wichtige Rolle. Was wie leichte, schwingende, materialisierte Energiestr\u00f6me aussieht, ist jedoch das Ergebnis eines langwierigen Herstellungsprozesses. Viele der Objekte haben hunderte Stunden der Bear-beitung hinter sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich vor kurzem im Zirkus war, fielen mir die eleganten, grazilen Bewegungen der Seilt\u00e4nzerin hoch \u00fcber den K\u00f6pfen des Publikums unter dem Dach des Zirkuszeltes auf. Wie viel t\u00e4gliches Training mag wohl diese Leichtigkeit des Tanzes erfordern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hanghofers Objekte werden nach dem Gie\u00dfvorgang geschliffen und poliert, bis ihre Oberfl\u00e4che v\u00f6llig glatt ist. Diesen letzten Akt der Perfektionierung bezeichnet der K\u00fcnstler als einen \u201eStimmvorgang\u201c, das Einstimmen der Skulptur. Die offene Form vieler Objekte spielt mit konkaven und konvexen Wechseln der Dynamisierung. Sie erkunden vielgestaltig den Raum. Sie drehen und dehnen sich. Sie strecken sich kraftvoll nach oben und enden dergestalt, dass eine Verl\u00e4ngerung ihrer Schw\u00fcnge in Gedanken fortgesetzt werden kann. Meist zeigen die Objekte eine vertikal ausgerichtete, torsierte Expansion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andere wirken, als w\u00e4re ihre Form im Windkanal perfektioniert worden. Es gibt nichts Wider-st\u00e4ndiges, keine Br\u00fcche, keine Irritationen. Ein harmonischer Gedankenentwurf der Plastik findet hier seine Vollendung. Aus diesem Grunde wirken manche Objekte vielleicht auch wie vergr\u00f6\u00dferte Schmuckst\u00fccke, mit leichter Hand konzipiert, edel in der Umsetzung. Mit ihrer gl\u00e4nzenden Oberfl\u00e4che beziehen manche Plastiken dar\u00fcber hinaus den Um-raum mit in die Komposition ein, der sich in ihnen widerspiegelt &#8211; wie erstarrte Schleifen eines vielfach reflektierten Lichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gestaltung dieser Objekte liegen die Naturgesetze zugrunde. Da sind zun\u00e4chst einmal die Gesetze der Gravitation. Auch Schub und Druck sind formgebende Kr\u00e4fte, die in der Natur im Erdinneren m\u00e4chtige Prozesse ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits Alexander von Humboldt beschreibt in der Mitte des 19. Jahrhunderts Gesetze, die eine kosmologische Wirkkraft haben: <em>\u201eWie die Natur der Gebirgsarten, d.h. die Verbindung einfacher Mineralien zu Granit, Gnei\u00df und Glimmerschiefer, zu Trachyt, Basalt und Dolerit, unabh\u00e4ngig von den jetzigen Klimaten, unter den verschiedensten Himmelsstrichen dieselbe ist; so sehen wir auch \u00fcberall in der anorganischen Natur gleiche Gesetze der Gestaltung sich enth\u00fcllen, Gesetze, nach welchen die Schichten der Erdrinde sich wechselseitig tragen, gangartig durchbrechen, durch elastische Kr\u00e4fte sich heben. In den Vulkanen ist dieses Wiederkehren derselben Erscheinungen besonders auffallend. Wo dem Seefahrer nicht mehr die alten Sterne leuchten, in Inseln ferner Meere, von Palmen und fremdartigen Gew\u00e4chsen umgeben, sieht er in den Einzelheiten des landschaftlichen Charakters den Vesuv, die domf\u00f6rmigen Gipfel der Auvergne, die Erhebungskrater der kanarischen und azori-schen Inseln, die Ausbruchsspalten von Island wiederkehrend abgespiegelt; ja ein Blick auf den Begleiter unsres Planeten, den Erdmond, verall-gemeinert die hier bemerkte Analogie der Gestal-tung.\u201c<\/em> (Alexander von Humboldt, Kosmos, 1845)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Werke Hubert Hanghofers haben eines ihrer Fundamente in der Formverfl\u00fcssigung so mancher Rodinscher Arbeiten und in der vegetabilen Morphologie des Jugendstils, die beide eine erste, grundlegende Vorschau auf die abstrakte Form in der Moderne darstellen. <em>\u201eDie Buckelung und Zerkl\u00fcftung der Oberfl\u00e4che in Graten, Furchen, Flecken von Licht und Schatten befreit j\u00fcngere Bildhauer zur Abstraktion.\u201c<\/em> (Manfred Schnecken-burger) Auguste Rodin bemerkte: <em>\u201e\u00dcberall sehe ich den kubischen Sinn, so dass Fl\u00e4che und Volumen mir wie das gro\u00dfe Gesetz allen Lebens und aller Sch\u00f6nheit erscheinen. \u2026Die Sch\u00f6nheit ist nicht ein Ausgangspunkt, sondern ein Resultat; nur dort ist Sch\u00f6nheit, wo Wahrheit ist.\u201c <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Betrachtung der Arbeiten von Hubert Hanghofer liegt es nahe, Vergleiche mit Arbeiten von Henry Moore oder Constantin Brancusi auf ihre G\u00fcltigkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen. Henry Moore studierte die Formprinzipien der Natur. Aus dem Studium von Steinen, Felsen, B\u00e4umen und Pflanzen entwickelte er die Hohlform:<em> \u201eEin St\u00fcck Stein kann ein Loch haben und braucht deshalb nicht geschw\u00e4cht zu sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Negativ- und Positivformen, wie sie Henry Moore erstmals bewusst umsetzte, sind ein wiederkehrendes Formprinzip im Werk Hanghofers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Constantin Brancusi befasste sich mit einer formalen Gestaltung verbunden mit der Suche nach dem Ausdruck des Wesenhaften. Brancusi suchte die \u201eplastische Urform\u201c und fand sie in der ovalen Form des Eis. Er suchte Archetypen wie z. B. \u201edas Fliegen selbst\u201c in seiner ber\u00fchmten Plastik <em>\u201eVogel im Raum\u201c<\/em>. Sein Interesse galt einer zeitlosen Kunstform, weshalb er Formen bis zu einem Punkt verdichtete, an dem sie als Individualit\u00e4t nicht mehr wahrgenommen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hanghofer sucht Emanationen dieser einen formbildenden Kraft, die viele Anschauungs-qualit\u00e4ten haben kann. W\u00e4hrend Brancusi von der geschauten Wirklichkeit ausgeht, sind es im Falle des Hubert Hanghofer innere Bilder, die sich im Dreidimensionalen manifestieren. Hanghofer folgt keinem Vorbild der Natur, sondern der K\u00fcnstler geht eher im Sinne der konkreten Kunst von ideellen Werten aus. Der K\u00fcnstler befasst sich mit einer Art der Abstraktion, die den Kr\u00e4ften der Sch\u00f6pfung auf den Grund geht, die sich mit dem Grundger\u00fcst allen Wachstums und aller Ver\u00e4nderung auseinandersetzt, sich mit dieser pri-m\u00e4ren Intelligenz besch\u00e4ftigt, ohne auf abbildende Tendenzen auch nur ansatzweise einzugehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenden wir uns zu guter Letzt einem Diskurs von Musik und Malerei zu, wie er zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Salone der kunstbeflissenen Gesellschaft bestimmte. <em>\u201eIch beneide Sie sehr\u201c<\/em>, schreibt Kandinsky im April 1911 an Sch\u00f6nberg <em>\u201eWie unendlich gut haben es die Musiker in ihrer so weit gekommenen Kunst. Wirklich Kunst, die das Gl\u00fcck schon besitzt, auf rein praktische Zwecke vollkommen zu verzichten. Wie lange wird wohl die Malerei damals noch darauf warten m\u00fcssen?\u201c<\/em> Kandinsky meinte damit, dass die Malerei immer noch auf Reminiszenzen der Gegenst\u00e4ndlichkeit angewiesen war, wohingegen die Musik aufgrund ihrer akustischen Relevanz eine nicht der gegenst\u00e4ndlichen Anschauung verhaftete Ebene der Wahrnehmung ber\u00fchrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit seinem epochalen Werk <em>\u201e\u00dcber das Geistige in der Kunst\u201c <\/em>verfasste der K\u00fcnstler eine Harmonielehre der Malerei, die den inneren Klang der Farben und Formen absolut setzte. Es war ein Versuch, Sichtbares mit Unsichtbarem in Verbindung zu setzen, losgel\u00f6st von der Bindung an einen gegenst\u00e4ndlichen Kontext.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erlauben wir uns &#8211; gleichsam mit Kandinsky im Hinterkopf und einem Wortlaut Werner Haftmanns folgend &#8211; Hubert Hanghofers Objekte als <em>\u201emusikalische Raumgestalten\u201c<\/em> zu bezeichnen oder von formal schwingenden Tonk\u00f6rpern zu sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vollendete Form repr\u00e4sentiert die Verewigung einer Erscheinung, die nicht mehr ver\u00e4ndert oder verbessert werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dr. Brigitte Reutner,<\/strong> <strong> LENTOS KUNSTMUSEUM<\/strong><\/p>\n<p><!--:--><!--:en--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">ANN\u00c4HERUNG AN EINE GESTALTUNGSFORM<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>\u201eAlle Gestalten sind \u00e4hnlich, und keine gleichet der andern; \/<\/em> <em>Und so deutet das Chor auf ein geheimes Gesetz, \/<\/em> <em>Auf ein heiliges R\u00e4tsel.\u201c<\/em> (Goethe, Die Metamorphose der Pflanzen)<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Biografische Daten<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geb. 1951 in Freistadt, lebt in Wartberg ob der Aist. Studium an der Kunstuniversit\u00e4t bei Prof. Helmuth Gs\u00f6llpointner. L\u00f6st sich bereits in den 1990er Jahren von seinem Brotberuf, um ein privates, nach individuellen Kriterien zusammengestelltes Musikarchiv anzulegen. Ein Kompendium der sch\u00f6nen Kl\u00e4nge, das die Phantasie befl\u00fcgelt und eine besondere Gestimmtheit bewirken kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hubert Hanghofer arbeitet mit Bronze, Edelstahl, Spezialkunstharzen und Karbonfaser. Manche Ob-jekte sind aus Stoffen, die Ewigkeiten \u00fcberdauern k\u00f6nnen (Bronze, Edelstahl). Manche Objekte wirken, als w\u00e4ren sie von hoch oben ganz sanft auf der Erde gelandet; noch ganz durchdrungen von den sie formenden Luftmassen und den gestalten-den Kr\u00e4ften von Schub und Druck. Hanghofers Plastiken liegen Konzeptzeichnungen zugrunde. Die Ideen zu seinen plastischen Arbeiten sch\u00f6pft der K\u00fcnstler aus seinem Inneren. Musik spielt f\u00fcr ihn als Inspirationsquelle eine wichtige Rolle. Was wie leichte, schwingende, materialisierte Energiestr\u00f6me aussieht, ist jedoch das Ergebnis eines langwierigen Herstellungsprozesses. Viele der Objekte haben hunderte Stunden der Bear-beitung hinter sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich vor kurzem im Zirkus war, fielen mir die eleganten, grazilen Bewegungen der Seilt\u00e4nzerin hoch \u00fcber den K\u00f6pfen des Publikums unter dem Dach des Zirkuszeltes auf. Wie viel t\u00e4gliches Training mag wohl diese Leichtigkeit des Tanzes erfordern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hanghofers Objekte werden nach dem Gie\u00dfvorgang geschliffen und poliert, bis ihre Oberfl\u00e4che v\u00f6llig glatt ist. Diesen letzten Akt der Perfektionierung bezeichnet der K\u00fcnstler als einen \u201eStimmvorgang\u201c, das Einstimmen der Skulptur. Die offene Form vieler Objekte spielt mit konkaven und konvexen Wechseln der Dynamisierung. Sie erkunden vielgestaltig den Raum. Sie drehen und dehnen sich. Sie strecken sich kraftvoll nach oben und enden dergestalt, dass eine Verl\u00e4ngerung ihrer Schw\u00fcnge in Gedanken fortgesetzt werden kann. Meist zeigen die Objekte eine vertikal ausgerichtete, torsierte Expansion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andere wirken, als w\u00e4re ihre Form im Windkanal perfektioniert worden. Es gibt nichts Wider-st\u00e4ndiges, keine Br\u00fcche, keine Irritationen. Ein harmonischer Gedankenentwurf der Plastik findet hier seine Vollendung. Aus diesem Grunde wirken manche Objekte vielleicht auch wie vergr\u00f6\u00dferte Schmuckst\u00fccke, mit leichter Hand konzipiert, edel in der Umsetzung. Mit ihrer gl\u00e4nzenden Oberfl\u00e4che beziehen manche Plastiken dar\u00fcber hinaus den Um-raum mit in die Komposition ein, der sich in ihnen widerspiegelt &#8211; wie erstarrte Schleifen eines vielfach reflektierten Lichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gestaltung dieser Objekte liegen die Naturgesetze zugrunde. Da sind zun\u00e4chst einmal die Gesetze der Gravitation. Auch Schub und Druck sind formgebende Kr\u00e4fte, die in der Natur im Erdinneren m\u00e4chtige Prozesse ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits Alexander von Humboldt beschreibt in der Mitte des 19. Jahrhunderts Gesetze, die eine kosmologische Wirkkraft haben: <em>\u201eWie die Natur der Gebirgsarten, d.h. die Verbindung einfacher Mineralien zu Granit, Gnei\u00df und Glimmerschiefer, zu Trachyt, Basalt und Dolerit, unabh\u00e4ngig von den jetzigen Klimaten, unter den verschiedensten Himmelsstrichen dieselbe ist; so sehen wir auch \u00fcberall in der anorganischen Natur gleiche Gesetze der Gestaltung sich enth\u00fcllen, Gesetze, nach welchen die Schichten der Erdrinde sich wechselseitig tragen, gangartig durchbrechen, durch elastische Kr\u00e4fte sich heben. In den Vulkanen ist dieses Wiederkehren derselben Erscheinungen besonders auffallend. Wo dem Seefahrer nicht mehr die alten Sterne leuchten, in Inseln ferner Meere, von Palmen und fremdartigen Gew\u00e4chsen umgeben, sieht er in den Einzelheiten des landschaftlichen Charakters den Vesuv, die domf\u00f6rmigen Gipfel der Auvergne, die Erhebungskrater der kanarischen und azori-schen Inseln, die Ausbruchsspalten von Island wiederkehrend abgespiegelt; ja ein Blick auf den Begleiter unsres Planeten, den Erdmond, verall-gemeinert die hier bemerkte Analogie der Gestal-tung.\u201c<\/em> (Alexander von Humboldt, Kosmos, 1845)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Werke Hubert Hanghofers haben eines ihrer Fundamente in der Formverfl\u00fcssigung so mancher Rodinscher Arbeiten und in der vegetabilen Morphologie des Jugendstils, die beide eine erste, grundlegende Vorschau auf die abstrakte Form in der Moderne darstellen. <em>\u201eDie Buckelung und Zerkl\u00fcftung der Oberfl\u00e4che in Graten, Furchen, Flecken von Licht und Schatten befreit j\u00fcngere Bildhauer zur Abstraktion.\u201c<\/em> (Manfred Schnecken-burger) Auguste Rodin bemerkte: <em>\u201e\u00dcberall sehe ich den kubischen Sinn, so dass Fl\u00e4che und Volumen mir wie das gro\u00dfe Gesetz allen Lebens und aller Sch\u00f6nheit erscheinen. \u2026Die Sch\u00f6nheit ist nicht ein Ausgangspunkt, sondern ein Resultat; nur dort ist Sch\u00f6nheit, wo Wahrheit ist.\u201c <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Betrachtung der Arbeiten von Hubert Hanghofer liegt es nahe, Vergleiche mit Arbeiten von Henry Moore oder Constantin Brancusi auf ihre G\u00fcltigkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen. Henry Moore studierte die Formprinzipien der Natur. Aus dem Studium von Steinen, Felsen, B\u00e4umen und Pflanzen entwickelte er die Hohlform:<em> \u201eEin St\u00fcck Stein kann ein Loch haben und braucht deshalb nicht geschw\u00e4cht zu sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Negativ- und Positivformen, wie sie Henry Moore erstmals bewusst umsetzte, sind ein wiederkehrendes Formprinzip im Werk Hanghofers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Constantin Brancusi befasste sich mit einer formalen Gestaltung verbunden mit der Suche nach dem Ausdruck des Wesenhaften. Brancusi suchte die \u201eplastische Urform\u201c und fand sie in der ovalen Form des Eis. Er suchte Archetypen wie z. B. \u201edas Fliegen selbst\u201c in seiner ber\u00fchmten Plastik <em>\u201eVogel im Raum\u201c<\/em>. Sein Interesse galt einer zeitlosen Kunstform, weshalb er Formen bis zu einem Punkt verdichtete, an dem sie als Individualit\u00e4t nicht mehr wahrgenommen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hanghofer sucht Emanationen dieser einen formbildenden Kraft, die viele Anschauungs-qualit\u00e4ten haben kann. W\u00e4hrend Brancusi von der geschauten Wirklichkeit ausgeht, sind es im Falle des Hubert Hanghofer innere Bilder, die sich im Dreidimensionalen manifestieren. Hanghofer folgt keinem Vorbild der Natur, sondern der K\u00fcnstler geht eher im Sinne der konkreten Kunst von ideellen Werten aus. Der K\u00fcnstler befasst sich mit einer Art der Abstraktion, die den Kr\u00e4ften der Sch\u00f6pfung auf den Grund geht, die sich mit dem Grundger\u00fcst allen Wachstums und aller Ver\u00e4nderung auseinandersetzt, sich mit dieser pri-m\u00e4ren Intelligenz besch\u00e4ftigt, ohne auf abbildende Tendenzen auch nur ansatzweise einzugehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenden wir uns zu guter Letzt einem Diskurs von Musik und Malerei zu, wie er zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Salone der kunstbeflissenen Gesellschaft bestimmte. <em>\u201eIch beneide Sie sehr\u201c<\/em>, schreibt Kandinsky im April 1911 an Sch\u00f6nberg <em>\u201eWie unendlich gut haben es die Musiker in ihrer so weit gekommenen Kunst. Wirklich Kunst, die das Gl\u00fcck schon besitzt, auf rein praktische Zwecke vollkommen zu verzichten. Wie lange wird wohl die Malerei damals noch darauf warten m\u00fcssen?\u201c<\/em> Kandinsky meinte damit, dass die Malerei immer noch auf Reminiszenzen der Gegenst\u00e4ndlichkeit angewiesen war, wohingegen die Musik aufgrund ihrer akustischen Relevanz eine nicht der gegenst\u00e4ndlichen Anschauung verhaftete Ebene der Wahrnehmung ber\u00fchrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit seinem epochalen Werk <em>\u201e\u00dcber das Geistige in der Kunst\u201c <\/em>verfasste der K\u00fcnstler eine Harmonielehre der Malerei, die den inneren Klang der Farben und Formen absolut setzte. Es war ein Versuch, Sichtbares mit Unsichtbarem in Verbindung zu setzen, losgel\u00f6st von der Bindung an einen gegenst\u00e4ndlichen Kontext.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erlauben wir uns &#8211; gleichsam mit Kandinsky im Hinterkopf und einem Wortlaut Werner Haftmanns folgend &#8211; Hubert Hanghofers Objekte als <em>\u201emusikalische Raumgestalten\u201c<\/em> zu bezeichnen oder von formal schwingenden Tonk\u00f6rpern zu sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vollendete Form repr\u00e4sentiert die Verewigung einer Erscheinung, die nicht mehr ver\u00e4ndert oder verbessert werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dr. Brigitte Reutner,<\/strong> <strong> LENTOS KUNSTMUSEUM<\/strong><\/p>\n<p><!--:--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ANN\u00c4HERUNG AN EINE GESTALTUNGSFORM \u201eAlle Gestalten sind \u00e4hnlich, und keine gleichet der andern; \/ Und so deutet das Chor auf ein geheimes Gesetz, \/ Auf ein heiliges R\u00e4tsel.\u201c (Goethe, Die Metamorphose der Pflanzen) Biografische Daten Geb. 1951 in Freistadt, lebt in Wartberg ob der Aist. 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